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Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen
Jahrgang 98, Heft
2,
03-2004
Seiten 101-107
(7)
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Andreas Loh [1]; Nina Kremer; Nadja Giersdorf; Hubertus Jahn; Siegfried Hänselmann; Isaac Bermejo; Martin Härter [1]
[1] Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie, Freiburg [1] Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie, Freiburg
Zusammenfassung In der hausärztlichen Versorgung depressiver Erkrankungen besteht nicht selten eine wesentliche Schwachstelle in den Vorbehalten der Patienten gegenüber einer psychopharmakologischen oder psychotherapeutischen Behandlung. Trotz dem Vorhandensein effektiver Behandlungsmöglichkeiten werden diese von Patienten nicht in Anspruch genommen. Darüber hinaus sind viele depressive Patienten nur unzureichend über ihre Erkrankung und Behandlung informiert. Mit dem Konzept der partizipativen Entscheidungsfindung wird das Ziel verfolgt, Patienten besser zu informieren und sie aktiv an der medizinischen Entscheidung zu beteiligen. Dadurch soll die Behandlungsmotivation, -zufriedenheit und auch die klinische Wirksamkeit erhöht werden. Untersucht wurde, ob depressive Patienten aufgrund erkrankungsbedingter Einschränkungen, z.B. Antriebsminderungen und kognitiven Einschränkungen, in der Lage sind, Interesse an Information über die Erkrankung und an der Beteiligung bei medizinischen Entscheidungen zu zeigen. 232 depressive Patienten von 30 Hausärzten wurden hierzu mittels validierter psychometrischer Verfahren hinsichtlich Informations- und Beteiligungsbedürfnis befragt. Das Informationsbedürfnis depressiver Patienten ist unabhängig vom Schweregrad ihrer Erkrankung groß (MW = 85,2, Range 0–100), hingegen ist das Interesse an einer Entscheidungsbeteiligung geringer ausgeprägt (MW = 46,8, Range 0–100). Die wahrgenommene Beteiligung ist hoch (MW = 68,4, Range 0–100). Die Implementierung der partizipativen Entscheidungsfindung in der hausärztlichen Versorgung wird als realisierbar bewertet, sie wird derzeit im Rahmen gezielter Trainingsmaßnahmen umgesetzt und evaluiert. Abstract A main flaw in the primary care of depression is the patients' scepticism about adequate treatment. Despite effective treatment options patients' medical demand is poor and their information insufficient. The present study aims to improve patients' information and their participation in decision making to enhance treatment motivation and satisfaction with treatment and clinical outcome. It is unclear, though, if patients are able to show interest in information and participation because of depression-specific deficits (e.g. an impairment of cognition and concentration). In a controlled study 232 patients with depression from 30 GP practices completed questionnaires assessing information and participation needs. Patients with all severity grades of depression are highly interested in information (mean = 85.2; range 0–100) and moderately interested in participating in decision making (mean = 46.8; range 0–100). Perceived involvement in care achieved a mean of 68.4 (range 0–100). The implementation of shared decision making in the primary care of depressive patients is reasonable and will be realised and evaluated within the scope of a targeted continuing education program for general practitioners.
Keywords Depression; Partizipative Entscheidungsfindung; Patienteninformation; Informationsbedürfnis; Partizipationspräferenz; depression; shared decision making; patient information; information needs; participation preference
DOI (Digital Object Identifier): 10.1078/1431-7621-00180 |